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Cristina Albertoni, Cadenazzo, TI - Die Genuss-Lehrerin von Cadenazzo

Jean-Pierre Ritler | 07.09.2015 |

Cristina Albertoni, Cadenazzo, TI - Die Genuss-Lehrerin von Cadenazzo


Die Genuss-Lehrerin von Cadenazzo

„Benvenuti“ steht von Hand geschrieben auf der Tafel am Eingang zu diesem grossen Haus voller Geheimnisse, das sich eng an die kleine Kirche von Cadenazzo anschmiegt. Und „Willkommen“ ist man hier wirklich. Ich sitze in der gemütlichen Küche von Cristina und Fabrizio, nippe an einem Tessiner Spumante aus den kleinen Americana-Trauben, koste vom grandiosen Piora-Käse (dazu später mehr) und staune. Vor mir sitzt Cristina mit einladendem Lachen und blitzende Augen – keinen Augenblick glaube, dass sie schon 61 Jahre alt sein soll.

 

Cristina Albertoni, Gastgeberin SWISS TAVOLATA, Cadenazzo, Benevuti

Christina Albertoni begrüsst die Swiss Tavolata-Gäste am Eingang ihrer grossen Fattoria.

 

 

Und doch muss es so sein, denn sie kann mir erzählen aus der Zeit, als noch alles anders war hier im Tessin. Als noch keine Autobahn die Reisenden in den Süden führte, sondern sich die Autos auf der kleinen Strasse vor ihrem Haus Richtung Monte Ceneri quälten. „Zweimal im Jahr, an Ostern und an den Sommerferien, sassen ich und meine Schwestern auf der kleinen Mauer und bestaunten die stehende Kolonne mit Autos aus ganz Europa.“ Sie erinnert sich auch noch gut an die Zeit, als hier ihre Grosseltern eine grosse „Fattoria“, einen Bauernhof, führten. „Ich war immer wieder bei den Nonni, habe beim Melken geholfen, den Tieren zu essen gegeben und die Hühnereier gesucht. Ich war bei Schlachten der Schweine dabei und natürlich mussten wir alle bei der Heuernte anpacken.“

 

Die Bio-Pioniere

 

Cristina lebte immer hier in dem kleinen Dorf am Fusse des Monte Ceneri. Als kleines Mädchen wollte sie Stewardess werden und die Welt bereisen. „Oder Floristin, denn ich liebe es, kreativ zu arbeiten.“ Doch dann wurde sie Lehrerin, ihr dritter Traumberuf. An der Schule von Cadenazzo betreute sie die 1. bis 5. Klasse und verliebte sich dort in den Lehrer Fabrizio. Man heiratete, drei Kinder kamen auf die Welt und Cristina legte einen grossen Bio-Garten an. „Das war vor 35 Jahren. Wir waren Vorreiter, gehörten zu den allersten, die biologisch anbauten. Und natürlich wurden wir von allen ausgelacht.“ Doch die Überzeugung war stärker als der Hohn der Leute. Und das Thema gesundes Essen hat Cristina immer mehr beschäftigt.

 

Die Sorgen um die Jugend

 

Als die Kinder grösser wurden, bildete sie sich zur Dozentin für Ernährungserziehung in Schulen weiter. „Damals war ich 44 Jahre alt und wollte etwas Neues anpacken.“ Danach kam eine Weiterbildung zur Mediatorin. Heute kann sie an der Berufsschule CPC in Bellinzona beide Berufe miteinander verknüpfen, vermittelt Wissen zum Thema Ernährung und Lebensmittel und ist zugleich auch Mediatorin für die jungen Lehrlinge. Doch – was macht eine Mediatorin eigentlich? „In erster Linie zuhören“, erklärt Cristina. „Die jungen Leute haben oft Familienkonflikte, Probleme der Pubertät oder Schwierigkeiten in der Lehre. Ich höre zu und versuche, Lösungen zu finden. Ich mag es, mit jungen Menschen zu arbeiten. Wenn ich sehe, dass jemand ein Problem hat, dann will ich immer helfen. Da bin ich sehr Mamma“, lachte sie. Doch dann kommt ein tiefer Seufzer. „Leider haben in der letzten Jahren die Probleme immer mehr zugenommen. Vieles hat mit dem Aufkommen der Smartphone und Social Media zu tun. Es scheint, dass die Jungen so viele Freunde haben. In Wahrheit aber sind sie alleine. Es gibt mehr Unsicherheit, viele haben gesundheitliche Probleme wie Bulimie. Das gab es alles nicht, als ich jung war.“

 

SWISS TAVOLATA, Cristina Albertoni, TI Cristina Albertoni, Cadenazzo, SWISS TAVOLATA
SWISS TAVOLATA, Cadenazzo, Gastgeberin Cristina Albertoni Cristina Albertoni, Cadenazzo, SWISS TAVOLATA
SWISS TAVOLATA, Cristina Albertoni, Cadenazzo SWISS TAVOLATA, Cadenazzo, Gastgeberin Cristina Albertoni
Gastgeberin SWISS TAVOLATA, Cristina Albertoni SWISS TAVOLATA, Gastgeberin Cristina Albertoni, Cadenazzo

Die Kreativität von Cristina zeigt sich in der liebevollen Ausstattung von Haus und Hof. 

 

Nicht zuletzt haben diese Probleme auch etwas mit der Ernährung zu tun, davon ist Cristina überzeugt. „Heutzutage hat das richtige Kochen eben keinen Stellenwert mehr. Zwar schauen immer mehr Menschen Kochshows im Fernsehen an, aber selber stehen sie nicht mehr am Herd.“ Woran liegt das? Cristina überlegt. „Sicher ein grosser Teil wegen der fehlenden Zeit. Das sehe ich, wenn ich einkaufen gehe und beobachte, wie viele Menschen Fertiggerichte einkaufen. Aber ich kenne auch viele, die genügend Zeit haben, aber dennoch nicht mehr kochen. Es ist traurig und gibt mir sehr zu denken. Vor allem, wenn man sich die Qualität dieser Fertigprodukte anschaut. Alle diese Zusatzstoffe, die tun sicher nicht gut.“

 

Doch die junggebliebene Cristina gibt nicht auf. Sie will den jungen Leuten die Begeisterung für das Kochen und gesunde Essen vermitteln. „Ich arbeite mit den Lebensmittel-Verkäuferinnen. Einige sind per Zufall dort gelandet, ein anderer Teil von ihnen hat aber echtes Interesse am Essen. Sie reden darüber, wir diskutieren, sie wollen viel wissen. Und diese jungen Menschen ziehen mit ihrer Begeisterung auch die anderen ins Thema. Das gibt mir wieder Hoffnung.“

 

In nächsten Blogs über Cristina: Von Räubern auf dem Ceneri, einem uralte Haus voller Geheimnisse und der Offenbarung des besten Alpkäses des Tessins.

 


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